Einsamkeit und Alleinsein
Dann gingen sie in die Einsamkeit, um sich dort zu heilen.
Von den Pythagoreern, einer auf Pythagoras (6. Jh. v. Chr.) zurückgehenden philosophischen Richtung, die in einer griechischen Kolonie in Unteritalien von ihm gelehrt und praktiziert wurde, wird Folgendes berichtet:
„Und es galt bei ihnen als Grundsatz, dass weisen Menschen nichts, was Menschen widerfahren könnte, unerwartet kommen dürfe, sondern dass man auf alles gefasst sein müsse, was nicht im Machtbereich von einem selber läge. Wenn es ihnen aber doch einmal widerfuhr, dass sie in Zorn oder Kummer oder ähnliche Gemütsbewegungen gerieten, dann gingen sie in die Einsamkeit, und dort versuchte ein jeder, mit sich allein ins Gericht gehend, seine Leidenschaft zu meistern und zu heilen.“
Die besinnliche Reflexion in einsamer Zurückgezogenheit kann belastende emotionale Affekte beseitigen, mit denen wir häufig auf ein negatives Ereignis oder Verhalten eines anderen Menschen reagieren. Es kann eine getrübte Selbstwahrnehmung, einen von Emotionen und Vorurteilen verstellten Blick auf die Situation und unser Inneres selbst reinigen und klären. Der erste Teil des Zitats bezieht sich auf eine in der Antike entwickelte, sehr wirksame Methode, sich vor Enttäuschungen und Frustration zu bewahren, die sog. praemeditatio malorum, das Vorweg-Bedenken eines negativen Ausgangs einer Unternehmung. Bei allem, was wir tun, das empfahl Seneca 500 Jahre später, sollten wir uns gleich am Anfang sagen: „… wenn nichts dazwischen kommt“. Aus dem arabischen Kulturkreis ist das häufig verwendete inschallah („in scha allah“ = so Gott will) bekannt, das denselben Sinn hat. Es geht zurück auf folgende Stelle im Koran (Sure 18, Vers 23-24): „Und sag ja nicht im Hinblick auf etwas (was du vorhast): ‚Ich werde dies morgen tun‘, ohne (hinzuzufügen): ‚wenn Gott will‘! Und gedenke deines Herrn … und sag: ‚Vielleicht wird mich mein Herr (künftig) zu etwas leiten, was eher richtig ist als dies (d. h. als das, was ich vorhatte oder getan habe)‘!“
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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.