Gerechtigkeit
Wird der rechte Weg (Dao, Tao) verlassen, gibt es Menschenliebe und Gerechtigkeit.
Das Zitat stammt von Laotse und lautet im Zusammenhang:
„Wird das große Tao (der rechte Weg) verlassen,
gibt es (das Gebot der) Menschenliebe und Gerechtigkeit (Recht).
Kommen Klugheit und Gewandtheit auf,
gibt es große Heuchelei.
Sind die sechs Blutsverwandten uneinig,
gibt es Kindespflicht und Elternliebe.
Sind Land und Sippen in Verfall und Zerrüttung,
gibt es treue Staatsdiener.“
Das klingt sehr befremdlich und passt wenig zu dem, was man sonst über die Gerechtigkeit sagt. Diese philosophische Richtung aus dem alten China („Daoismus“), die Laotse begründet hat, entstand in einer Zeit größter politischer und sozialer Wirren und einem allgemeinen Verfall ethischer Werte. Die Daoisten meinten, dies habe mit einer kulturellen Entwicklung zu tun, die den Menschen von seiner natürlichen Lebensweise und Ethik entfremdet habe. Wären die Menschen fähig, zu dieser Lebensweise zurückzukehren, bräuchte man ihnen weder Gerechtigkeit noch Menschliebe vorzuschreiben. Sie würden es von sich aus tun. Ein geschriebenes Recht und moralische Gebote wären überflüssig. Alles geschähe auf „natürlichen Weise“ richtig. Es würde spontan und unbewusst aus dem Inneren und einem angeborenen, gesunden Instinkt herauskommen. Die Natur sei gut und wisse es besser. Greift der Mensch nicht mit seiner „Klugheit“ und „Gewandtheit“ in den natürlichen Gang der Dinge ein, stellen sich Harmonie und Ausgleich von selbst ein. Das jedenfalls glaubte Laotse. Sehen wir die verheerenden Folgen einer ungezügelten Naturausbeutung, wie sie der Mensch seit Jahrzehnten betreibt, erscheint uns Laotse als hellsichtig.
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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.