Seelenteilenlehre
Ein großer Tempel stürzt ein, weil seine Teile nicht übereinstimmen.
In einem ägyptischen Papyrus (sog. „Papyrus Insinger“) finden wir die Worte:
„Gott gibt dem Weisen Macht, damit er befehlen soll. Ein großer Tempel stürzt ein, weil seine Teile nicht übereinstimmen.“
Ob der Autor mit diesem Ausspruch nur die weise Staatslenkung im Auge hatte oder ob er auch an das Seelenleben gedacht hat, dessen Teile von einer weisen Lebensführung in Übereinstimmung gebracht werden müssen, damit „der Tempel nicht einstürzt“, wissen wir nicht. Es passt für beides. Platon hat die Staatsführung häufig mit der eigenen Seelenführung verglichen. Denn unser Inneres wird gestärkt und befestigt und unser Seelenleben blüht auf, wenn wir seine verschiedenen Kräfte, Begierden, Gefühle, Ängste etc. in eine Harmonie bringen. Dann ist unser Inneres „ausgeglichen“. Die weise Lebensführung hatte in der Antike in Ost und West vor allem das Ziel, einen solchen Seelenfrieden herbeizuführen. Selbststeuerung aber braucht Selbstbeherrschung („damit er befehlen soll“). Gelingt uns das, wird der „Tempel“ unserer Persönlichkeit weder Schaden nehmen noch einstürzen. Die Stoiker nannten eine solche resiliente Seelenruhe die „Unerschütterlichkeit des Weisen“. Ihr großes Vorbild war Sokrates, von dem es hieß, dass er sich stets gleichblieb, in guten wie in schlechten Zeiten.
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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.