Umgang mit Tod und Sterben
Ich wußte, daß mein Sohn sterblich ist.
„Man sollte dem Anaxagoras folgen und, wie dieser beim Tode seines Sohnes sagte: Ich wußte, daß mein Sohn sterblich sei, so sollte jedermann gegenüber den Fehlern (anderer), die ihn reizen, sagen: z.B. ich wußte, daß der Sklave, den ich kaufte, nicht gescheit sei ....”
Der griechische Philosoph Panaitios zitiert hier den Vorsokratiker Anaxagoras. Der soll diese bedeutenden Worte gesprochen haben, als man ihn verwundert fragte, warum er so gefasst bleibe, da er doch soeben von dem Tod seines Sohnes Kenntnis erhalten habe. Wir dürfen annehmen, dass auch er seinen Sohn geliebt hatte und tiefen Schmerz und Trauer empfand. Aber offenbar hatte er das Wissen um den Tod als einen natürlichen Vorgang und unser aller Schicksal so sehr verinnerlicht, dass seine Erschütterung und Trauer nicht ins Maßlose wuchs. Der Schicksalsschlag war schwer, aber warf ihn nicht aus seiner Mitte. Panaitios erkennt in einer solchen inneren Einstellung, die sich auf alles Unangenehme vorbereitet und sich auf unausweichliche Schicksalsschläge eingestellt hat, eine verallgemeinerungswürdige Weisheit und fordert uns auf, sie auf jede Art negativer Beeinträchtigung anzuwenden. An dem Beispiel vom Sklaven sollten wir keinen Anstoß nehmen, sondern froh darüber sein, dass wir in einer anderen geschichtlichen Epoche leben, ob in einer besseren, ist gleichwohl offen. – Als Goethe vom Tod seines Sohnes erfuhr, erinnerte er sich der zitierten Worte des Anaxagoras und schrieb sie in sein Tagebuch.
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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.